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SCHWULE BRÜDER

Veröffentlicht in NACHGEFRAGT

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221 vvg na andre
Andrè Szombach, Köln Mein eineiiger Zwillingsbruder Martin ist 30 Minuten älter, diesen Dominanzstatus hat er immer behalten. Er war auch beim Outing der Schnellere. Unser Vater nahm das stillschweigend hin, als ich später auch damit kam, war das nicht mehr ganz so wichtig. Unsere Sexualität hat jeder für sich selbst entdeckt, mit dem großen Unterschied: In der Entdeckungsphase ist ein kleiner „Unfall" passiert und mein Bruder ist Vater geworden. Martin war auch bei den Männern schneller, so hatten wir, da wir den gleichen Geschmack haben, oft den gleichen Typen. Ich habe auch oft den Wunsch gehört, mal einen Dreier mit einem Zwillingspärchen zu machen, worauf ich nur „Viel Spaß, such weiter" geantwortet habe. Das wäre für mich undenkbar, man schläft ja auch nicht mit seiner Schwester.
Ansonsten sind wir uns schon sehr ähnlich: Wir sind beide „Zicken" und sehr stur, stehen auf bärige Typen, mögen Leder und haben beide seit ca. 3 Jahren eine Beziehung. Wir stehen auch gern im Mittelpunkt: Martin, der in Berlin lebt, stand in Köln 2009 bei der Wahl zum Mr. Bear Germany auf der Bühne und ich gewann 2010 in Berlin den Titel Mr. Fetish Biker. Natürlich fehlt mir Martin durch die Distanz, obwohl wir nicht mit, aber auch nicht ohne einander auskommen. Spätestens nach 4 Stunden fetzen wir uns; das war schon früher so, weswegen wir nicht in der gleichen Klasse waren. Und, ganz witzig, wenn Einer gute Laute hat, hat der Andere einen schlechten Tag.

221 vvg na pim
Bart van Geldern + Pim, Haarlem NL Ich habe einen 11 Jahre jüngeren Bruder, der auch schwul ist. Als sich unsere Eltern scheiden ließen, ist er bei meiner Mutter aufgewachsen, während ich bei meinem Vater blieb; wir behielten immer Kontakt. Mit 22 zog ich nach Deutschland, da wusste ich schon, dass ich auf Männer stehe, was ich aber vor der Familie immer geheim hielt.
1989 habe ich mich bei meiner Familie geoutet. Mein Vater hatte es schon geahnt und war davon nicht sonderlich überrascht. Auch mein damals 11-jähriger Bruder fand das okay. Viel später stellte er mir diverse Fragen, die ich, ohne nachzuhaken, ganz normal beantwortete. 5 Jahre später brachte Pim seinen ersten Freund mit nach Hause; da war uns alles klar. Auch sein Outing war kein Thema in der Familie. Heute gehen wir ab und zu mit den Eltern und mit dem anderen Bruder und seiner Frau gemeinsam in eine schwule Bar, das ist jedes Mal ein sehr schöner Abend. Pim und ich haben nicht den gleichen Männer-Geschmack, aber wenn wir am Strand sind, reden wir schon über die Männer, die an uns vorbei laufen. Es hat nie zwischen uns geknistert, wir haben in uns immer nur den Bruder gesehen. Heute wohnt Pim mit seinem Freund in Haarlem. Ich wohne seit einem ½ Jahr auch dort und bin solo, habe aber seit 8 Jahren einen lieben Freund in Madrid, mit dem ich gern zusammen wohnen möchte.

221 vvg na bernt
Bernt Ide, Köln Mein Bruder Stefan, zu dem ich ein prima Verhältnis habe, ist zehn Jahre jünger als ich. Als er ca. 16 Jahre alt war, habe ich schon in der Beziehung zu seinem Schulfreund geahnt, dass auch er schwul ist. 6 Jahre später hat er sich mir gegenüber geoutet. Da er allerdings die damalige negative Reaktion der Eltern auf mein Schwulsein und Outing kannte, hatte er Angst, ebenfalls abgelehnt zu werden.
Ich selbst habe mit 14 gemerkt, dass ich mich mehr zu Jungens hingezogen fühlte; mein „Erstes Mal" mit einem Mann hatte ich dann mit 16 und ungefähr 2 Jahre später habe ich mich dazu bekannt. Als mein Bruder sich offenbarte, gaben die Eltern zunächst meinem schlechten Einfluss die Schuld. Sie standen unter Druck, ohne Enkelkinder zu bleiben, zumal selbst mein anderthalb Jahre älterer dritter Bruder zu der Zeit keine Kinder haben wollte. Stefan und ich haben übrigens in unserer sexuellen Vita einige Gemeinsamkeiten: Wir haben beide mit bisexuellen Erfahrungen angefangen und brauchten auch beide auf Grund unserer lustfeindlichen Erziehung viel Arbeit, um in unserem Leben Nähe, Geborgenheit und Sexualität in Einklang zu bringen. Mittlerweile sind wir beide verpartnert und unsere Eltern, unser Bruder und unsere Neffen waren mit großer Freude dabei. Es gibt keine Probleme mehr und unsere Partner sind voll und ganz in der Familie aufgenommen.

221 vvg na darnell
Darnell, Wiesbaden Ich habe mehrere Geschwister, darunter auch einen Zwillingsbruder. Wir hatten eine unbeschwerte Kindheit. Ich und mein Zwillingsbruder waren 10 oder 11, da haben wir meist mit anderen Jungs rumgetobt, hatten Spaß und haben unsere Sexualität zusammen entdeckt, auch unsere Homosexualität. Ab und zu hatten wir auch als Erwachsene noch Sex. Es ist ein geiles Gefühl, fast mit sich selbst Sex zu haben.
Ich habe mich mit 19 geoutet und habe meiner Mutter erzählt, dass es jemanden gibt, den ich gern habe und es ist ein Mann. „Wow, das ist super, ich hab gedacht, es wäre was Schlimmes.", war ihre Antwort. Mein Bruder hat länger zum Outing gebraucht, weil er meine Mutter nicht doppelt belasten wollte, zudem unser Vater kurz zuvor gestorben war. Mein Bruder hat sich dann mit 23 geoutet. Wir haben nie Konkurrenz untereinander gehabt. Wenn es mal einen Typen gab, der uns beiden gefallen hat, dann haben wir eben einen Dreier gemacht.
Heute lebt mein Bruder in den USA und hat dort einen festen Freund. Ich finde es fantastisch, dass ich einen Zwillingsbruder habe und dass er auch schwul ist.

221 vvg na  jens-olli
Jens & Olli Littmann, Köln Wir sind eineiige Zwillinge und 31, wobei Olli exakt 10 Minuten älter ist. Unsere Mutter wollte eigentlich ein Mädchen und fiel erst einmal in Ohnmacht, als sie uns Jungen im Doppelpack bekam. Unsere innere Verbundenheit erkennt man an den räumlichen Stationen: Als Jens mit 19 Jahren nach Berlin zog, folgte ihm Olli 2 Jahre später. Und als Olli später nach Köln zog, folgte ihm Jens; und in der Trennungszeit telefonierten wir täglich.
Irgendwann erzählte Jens, er sei mit einer Freundin in einem schwulen Club gewesen, fast zeitgleich hatte Olli sich einen Bi-Porno angesehen. Nach dem gemeinsamen Besuch einer Gay-Location hatten wir unser gemeinsames Outing, für uns. Natürlich wurden nach dem ersten Sex Erfahrungen ausgetauscht, aber gemeinsame Spielchen und sei es nur ein Dreier, bleiben für uns ein absolutes No-Go. Da wir gerade in der Anfangszeit die gleichen Typen gut fanden, hörten wir öfters die Frage: „Aber irgendwie kennen wir uns doch, oder?".
Dann haben wir geklärt, dass es uns 2x gibt und er wohl den Zwillingsbruder kennen gelernt hatte. Für das Outing bei den Eltern über den älteren Bruder brauchten wir Fingerspitzengefühl, im tiefsten Osten (Lauta / Hoyerswerda) ist Schwulsein ein Tabu, man redet nicht darüber. Und auch da sind sich die beiden (überzeugten) Singles einig: „Selbst wenn wir einen Freund hätten, wir würden ihn nicht mit zu den Eltern nehmen – obwohl die Familie damit inzwischen sicherlich klar käme."

221 vvg na chris
Christoph Grewe, Hannover Ich habe eine lesbische Schwester. Sie weiß seit meiner Pubertät, dass ich schwul bin, von ihr weiß ich es, seit sie 20 ist. Ich habe mich mit 19 geoutet, als sich alle über die General Kiesling Affäre aufregten. Da habe ich das Thema benutzt und gesagt, dass ich auch so bin. Vater regte sich auf, Mutter hatte irgendwie so ihre Vorahnung – Mütter wissen so etwas einfach.
Ich war eh' anders als mein großer Bruder, der sich mit Autos und Büchern befasste, während es bei mir Stofftiere und Quellekataloge waren!!! Meine Heterogeschwister reagierten unterschiedlich: Mein Bruder total cool. Meine große Schwester hatte anfangs mit mir und meiner lesbischen Schwester große Probleme. Da wir zu Viert waren, hat die Tatsache, dass die beiden ältesten Geschwister schon früh für Enkelkinder sorgten, die Familiensituation total entspannt. Wir waren den Erwartungsdruck los, selbst für Nachkommen zu sorgen.
Meine 3 Jahre jüngere Schwester hatte zuerst Freunde, wandte sich dann aber den Frauen zu. Als sie eine Freundin hatte, hat auch sie sich ganz mutig geoutet. Vielleicht hat sie an mir gesehen, dass nicht wirklich etwas Negatives passiert, wenn man dazu steht. Leider ist unser Verhältnis distanzierter geworden. Obwohl wir nur zwei Straßen auseinander wohnen, sehen wir uns selten. Wir sind beide in festen Händen, ich seit 4, sie schon seit 12 Jahren. Bei Familienfesten gehören unsere Partner selbstverständlich dazu.

221 vvg na mathias-michael
Michael Teubner mit Bruder Mathias, München Als Kinder haben wir uns oft gestritten – ich war wohl immer der Vorzeigebruder für ihn – aber nachdem wir von zu Hause ausgezogen waren, hatten wir ein ehrliches und großartiges Verhältnis und besprachen sämtliche Themen. Kurz nachdem Mathias erste Hochzeit platzte, er war Mitte 20, sagte er mir, dass er nicht nur auf Frauen stünde, was für mich keine Überraschung war, da er schon einmal in einem Nebensatz so eine Bemerkung gemacht hatte.
Ich selbst kenne Homosexuelle, von daher bin ich super mit dieser Thematik vertraut. Vor 12 Jahren wurde ich erstmals mit dem Thema konfrontiert; ich war mit einem Freund in Paris, der sich dort vor mir outete. Persönlich habe ich keine homoerotischen Erfahrungen, aber es ist sicher ein Unterschied, ob der eigene Bruder schwul ist, oder ein nicht-Verwandter. Ich denke, viele beschäftigen sich erst damit, wenn sie persönlichen Bezug zu dem Thema haben.
Für meine Eltern war es schwierig, Vater hatte richtige Probleme, doch Mutter konnte immer gut vermitteln. Übrigens sollte Mathias nach ihrem Wunsch eigentlich ein Mädchen werden. Im Osten, wo wir lange gewohnt haben, war das ein Tabuthema. Mathias wohnt heute in Köln und hat dort gerade seinen Mann „geheiratet". Ich lebe mittlerweile in Bayern und da ist man ja nicht nur mit diesem Thema weit zurück.
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